"Leidenschaft für B2B": Kongresseröffnung von Stefan Rühling

Foto: Monique Wüstenhagen

Mutiges Agieren, Kreativität, gemeinsames Einstehen und Leidenschaft für B2B: Mit diesen Themen eröffnete Stefan Rühling in diesem Jahr zum letzten Mal als Sprecher der Deutschen Fachpresse den Kongress. Nach zwei Amtszeiten und insgesamt 18 Jahren im Vorstand der Deutschen Fachpresse kandidierte er nicht mehr für das Gremium und wurde beim Kongress mit großem Dank für seine Leistungen verabschiedet wurde. Seine Eröffnungsrede zum Nachlesen. Es gilt das gesprochene Wort.

"Leidenschaft für B2B – immer einen Schritt voraus", mit diesem so treffenden Motto darf ich Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, beim Kongress der Deutschen Fachpresse 2018 in den wunderschönen Räumen des altehrwürdigen Jazzhotels Ellington in Berlin herzlich begrüßen.

Ich begrüße auch Dr. Rudolf Thiemann, den Präsidenten des VDZ, der heute bei uns ist und sozusagen seinen Antrittsbesuch bei der Deutschen Fachpresse macht. Das freut mich sehr und zeigt, wie eng die Deutsche Fachpresse und VDZ in herausfordernden Zeiten verbunden sind. Herzlich willkommen, Rudolf!
Unser kleiner Eröffnungsfilm zeigt sinnbildlich, was Fachmedienmacher ausgezeichnet und wie sie im Dialog mit ihren Zielgruppen relevante Lösungen entwickeln. Ich möchte mich für diesen Filmbeitrag herzlich bei fünf besonders engagierten Studentinnen des Studiengangs Marken- und Medienmanagement unter Prof. Dr. Thilo Büsching an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt bedanken. Sie haben den Trailer in Kooperation mit der Deutschen Fachpresse eigenständig – und mit Leidenschaft! – produziert. Als kleines Dankeschön haben wir die fünf jungen Damen zu unserem Kongress eingeladen und freuen uns, dass sie – mit Unterstützung von Vogel Business Media, auch dafür danke – heute hier sind. Wo seid Ihr? Steht mal kurz auf, Ihr habt einen Applaus verdient! Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen in den nächsten beiden Tagen!

Ihnen, uns allen wünsche ich einen guten Morgen! Einen ausgezeichneten Morgen!
Ich hoffe, Sie nur ein ganz klein wenig zu schockieren, wenn ich Ihnen verrate, dass ich genau weiß, mit welchem Gefühl Sie heute Morgen hier her gekommen sind. Vielleicht haben Sie sich zunächst mit diesem Gefühl voller Elan ihrem Frühstücksmüsli gewidmet. Womöglich haben Sie mit diesem Gefühl zunächst Ihre Emails auf dem Smartphone gecheckt. Eventuell klingelte Ihr Wecker auch schon so früh, dass Sie sich noch einmal ganz kurz umdrehen konnten. Egal. Was Sie getan haben, das weiß Google vermutlich besser. Viel wichtiger ist jedoch, dass ich das Gefühl kenne und teile, das Sie heute Morgen begleitet hat und das Sie so oft begleitet: Es ist Leidenschaft! Leidenschaft für B2B. Sie treibt uns an, immer einen Schritt voraus zu sein!

Die Leidenschaft, die Passion für unsere Themen, unsere Branchen und unsere Kunden gibt uns die Energie, den Mut und den Rückenwind, um den Wandel – in dem wir uns alle längst befinden – voranzutreiben. Ein solcher Aufbruch bedeutet allerdings viel mehr als Veränderung bloß zu umarmen, technische Entwicklungen zu loben und Unternehmen zu reorganisieren. Er bedeutet, sich bewusst und selbst auf die Suche nach Neuem zu machen und den Wandel aktiv – auch von sich selbst -einzufordern. Dazu braucht es Leidenschaft. Hegel hat einmal gesagt: „Nichts wirklich Wichtiges ist ohne Leidenschaft erreicht worden“. Und der heilige Augustinus (von Hippo, der das  Denken des Abendlandes maßgeblich geprägt hat) formulierte das so: „In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst“. Oder wenn man es banal sagt wie dort, wo ich geboren wurde: „Wenn Du das was Du machst nicht gerne machst, kannstes sowieso vergessen“.

Sie hören mich gerade über Frühstücksmüsli, Mut zu Neuem und ganz viel Leidenschaft parlieren – meine sehr verehrten Damen und Herren. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass wir in der Deutschen Fachpresse weder gefühlsduselig geworden sind noch das Primat auf weichen Themen liegt. Man könnte fast sagen, das Gegenteil ist der Fall.

Sie wissen, dass wir vor zwei Jahren die erste umfassende Studie des B2B-Medien- und Informationsmarktes in Deutschland vorgelegt haben. Mit dieser Studie wollten und wollen wir ein neues und verändertes Marktverständnis schaffen: Von Beruflicher Weiterbildung bis zu Datengeschäften trägt diese Studie den unterschiedlichen Marktsegmenten Rechnung, in denen Fachinformation, Wissensvermittlung und Kommunikation  heute stattfinden und - in denen wir Fachmedienhäuser aktiv sind. Oder sein sollten! Insgesamt hat dieser B2B-Medien- und Informationsmarkt ein gewaltiges Volumen von über 28 Milliarden Euro. Und großartige Chancen!

Und Fachmedienhäuser spielen in diesem B2B-Medien- und Informationsmarkt eine gewichtige Rolle. Das belegt die neue Fachpresse-Statistik, deren Ergebnisse ganz aktuell auf diesem Kongress vorgestellt werden. Ich will sie Ihnen jetzt kurz und vorab skizzieren: Deutsche Fachmedienanbieter machen im In- und Ausland einen Umsatz von 7,65 Milliarden Euro per annum. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzplus von 4,6%. Sie werden jetzt vielleicht sagen, hoppla, im letzten Jahr waren es noch 3,4 Milliarden und jetzt 7,65 Milliarden. Woher dieser große Sprung? Das hat methodische Gründe. Unsere alte Statistik fußte auf einer Basis aus dem Jahr 2000. Die Befragung für 2017 wurde neu erhoben und auf dieser Basis werden wir unsere Erhebungen in Zukunft  auch fortschreiben. Die Anpassung und Korrekturen waren überfällig. Die Fachpressestatistik zeigt nun realistisch, welche Rolle Fachmedienunternehmen im B2B-Medien- und Informationsmarkt spielen: Und ich kann Ihnen sagen, sie spielen eine gewichtige.

Interessant ist auch ein Blick in die einzelnen Segmente: Hier zeigt sich eine deutliche Verschiebung von Print zu Digital und Veranstaltungen/Messen. Zwar macht Print insgesamt noch 55% des Umsatzes aus, aber digitale Angebote liegen im Durchschnitt schon bei einem Drittel des Gesamtumsatzes. Und letztlich sorgen Digital und Events für das Wachstum mit einem Plus von 12,5 bzw. 18%, während Print insgesamt leicht zurückgeht.

Eines ist aber auch typisch: Wenige Häuser bilden die Struktur unserer Fachpresse-Statistik idealtypisch ab. Die Fachmedienlandschaft ist extrem vielfältig und differenziert – immer nah am Kunden eigentlich. Es gibt Häuser und Branchen, die mit Print-Angeboten sehr erfolgreich sind und die Bedürfnisse der Kunden treffen, während andere sich voll auf digitale Geschäftsfelder und Events konzentrieren. Wichtig ist es, eine Multi-Channel-Strategie zu haben und auf den Kanälen anbieten zu können, die die Kunden präferieren. Veritable Printangebote sind längst nicht auf verlorenem Posten, es kommt immer auf die Märkte und Nutzer an. Und natürlich, dass sie richtig gut gemacht sind! Qualität, Unabhängigkeit und eine gehörige Portion Leidenschaft sind die Ingredienzien, die sie auszeichnet!

Wenn wir auf den internationalen Markt schauen, so sehen wir hier die Geschäftsfelder Digital, Veranstaltungen und Messen sowie Business Intelligence als die wichtigsten Wachstumstreiber. Natasha Christie-Miller aus dem britischen Fachmedienhaus Ascential Intelligence wird uns später diese Marktsegmente aus internationaler Sicht näher bringen.

Der Wandel, die Veränderung der Fachinformationsvermittlung und der Mediennutzung, bietet Gestaltungsspielraum für Querdenker und Abenteurer. Er bedeutet aber auch Herausforderungen für unsere Häuser: Neben sinkenden Printumsätzen und einem äußerst herausfordernden digitalen Werbemarkt, der bislang nicht die Erlöse (die Erlösung) brachte, die sich viele vor Jahren vielleicht erhofften, neben der harten Arbeit, die die Erschließung neuer Geschäftsfelder bedeutet, machen es uns zunehmend auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schwer. Im Schulterschluss mit unseren Trägerverbänden Börsenverein und VDZ setzen wir uns als Interessenvertretung der deutschen Fachmedienanbieter mit Engagement und Kraft für faire Rahmenbedingungen ein.

Ich will nicht verschweigen, die Zeiten sind hart und in Brüssel und auch in Berlin weht uns von vielen Seiten ein scharfer Wind entgegen. Das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz hat für viele unserer Unternehmen fatale Folgen. Und die Datenschutz-Grundverordnung, die wir aus mehrerlei Perspektive kritisieren, setzt die Pressefreiheit weiter unter Druck. Von der ePrivacy-Verordnung, die vor der Tür steht, gar nicht zu sprechen. Neben fatalen Rückschlägen wie diesen müssen wir es nicht selten als Erfolg verbuchen, wenn nicht eine Verbesserung herbeigeführt, sondern mit aller Kraft eine weitere Verschlechterung verhindert werden konnte. Es gilt, und das habe ich in den letzten Jahren auch in diesem meinem Amt gelernt,  umso mehr im Verbund zusammenzustehen und mit gemeinsamer Stimme zu sprechen.

Einen Besucher unseres Kongresses möchte ich an dieser Stelle noch einmal ganz besonders willkommen heißen: Ich freue mich sehr, dass Dr. Rudolf Thiemann, Inhaber und Verleger der Liborius Verlagsgruppe und seit November letzten Jahres Präsident des VDZ heute bei uns ist und gleich zu uns sprechen wird. Das ist uns eine besondere Ehre, lassen Sie uns mit aller Kraft für eine freie und vielfältige Medienlandschaft einsetzen – in Deutschland – und auch darüber hinaus!

Wir alle wissen es, die Weltkarte von Reporter ohne Grenzen beweist es, viele Medienhäuser und Journalisten bekommen es zu spüren, darunter zum Teil auch Fachmedienhäuser und Fachjournalisten – die Pressefreiheit als Grundpfeiler einer freien Gesellschaftsordnung ist bedroht. Zum Teil auch in Deutschland. Die Gründe dafür hierzulande sind vielfältig und reziprok – der schwarze Peter lässt sich nicht einem Spieler zuschieben, sondern taucht in vielen Blättern auf. Eine wachsende medienfeindliche Tendenz, politisch motiviertes Bashing gegen Medien und Institutionen und Gesetzesreformen wie die Europäische Datenschutz-Grundverordnung wirken sich zunehmend bedrohlich auf die Freiheit von Journalismus und damit die Freiheit unserer Demokratie aus.

In Bezug auf die Datenschutz-Grundverordnung wies jüngst Christian Mihr in unserem Mitgliedermagazin auf einen interessanten Irrtum hin, der dem öffentlichen und dem politischen Diskurs zugrunde liegt: Datenschutz wird hier per se als etwas Freiheitssicherndes betrachtet. Dass Datenschutz in diesem Fall auch freiheitseinschränkend wirkt, ist zu vielen gar nicht klar.

Ich freue mich deshalb auch sehr, dass wir heute Abend Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, begrüßen können, der im Rahmen unserer Award-Verleihung einen Impulsvortrag zum Status Quo der Pressefreiheit in Deutschland halten wird.

Und ich kann mir für einen Appell für Pressefreiheit kaum einen passenderen Rahmen vorstellen als die Auszeichnung der besten Fachmedien und Fachjournalisten des Jahres. Denn in einer Welt, in der Fakten und Fiktion zunehmend vermischt werden, kontern wir mit exzellentem Fachjournalismus und hochwertigen Fachinformationsangeboten –  und überzeugen damit letztlich auch unsere Kunden.

Ich persönlich blicke dem heutigen Abend auch mit ein wenig Wehmut entgegen. Es wird schließlich der letzte sein, an dem ich den Siegern, den Ausgezeichneten als Sprecher der Deutschen Fachpresse gratulieren darf. Denn nach zwei Amtszeiten als Sprecher, als Ihrem Chairman, trete ich nicht wieder zur Wahl an und werde mein Amt morgen nach der Wahl des neuen Vorstands in der Mitgliederversammlung voller Vertrauen und Zuversicht in die Hände meines Nachfolgers legen.

Es ist übrigens ein wunderbares Amt mit einem wunderbaren Team der Deutschen Fachpresse, das möchte ich an dieser Stelle betonen. Ich habe es stets mit Freude und – Sie werden es erahnen – mit Leidenschaft zu erfüllen versucht. Ich danke meinem Team, meinen Vorstandskollegen und den Kommissionsmitgliedern für die exzellente Zusammenarbeit und Ihnen für das Vertrauen. Ich hoffe, ich konnte dazu beitragen, die Deutsche Fachpresse ein Stück des Weges voran zu bringen.

Meine Damen und Herren: Lassen Sie uns alle in diesem Sinn den Austausch und die Vernetzung untereinander und in unseren Branchen vorantreiben. Bleiben Sie offen, mutig und unverzagt!

Herzlichen Dank dafür, dass Sie hier sind. Ich erkläre den Kongress der Deutschen Fachpresse 2018 für eröffnet und wünsche uns zwei vielfältige, erkenntnisreiche und auch leidenschaftliche Tage! Vielen Dank!